Warum gerade diese drei?
Es gibt Dutzende Headless CMS auf dem Markt. Aber in der Praxis landen die meisten Projekte bei einer von drei Optionen: Sanity, Storyblok oder Strapi. Jedes System hat eine klare Stärke — und eine klare Schwäche.
Ich habe mit Sanity ein komplettes Plattform-Projekt umgesetzt (HRnetworx) und mit den anderen Systemen in verschiedenen Kontexten gearbeitet. Hier ist mein pragmatischer Vergleich — kein Feature-Sheet, sondern eine Einordnung nach Anwendungsfällen.
Sanity: Maximale Flexibilität
Die Stärke
Sanity behandelt Content als strukturierte Daten — nicht als Seiten. Sie definieren Ihre Datenstrukturen (Schemas) in Code (TypeScript/JavaScript), und Sanity baut daraus ein Studio (die Admin-Oberfläche). Das klingt technisch, aber es bedeutet: Sie können exakt die Content-Strukturen bauen, die Ihr Projekt braucht — ohne Kompromisse.
GROQ (Sanity's Abfragesprache) ist mächtiger als die meisten CMS-APIs. Sie können Daten filtern, verschachteln, transformieren und referenzieren — alles in einer Abfrage. Für Projekte mit komplexen Datenbeziehungen (z.B. eine Plattform mit Webinaren, Referenten, Kategorien und Nutzer-Registrierungen) ist das ein enormer Vorteil.
Die Schwäche
Sanity erfordert Entwickler-Involvement für alles, was über Content-Eingabe hinausgeht. Neue Content-Typen, geänderte Strukturen, angepasste Validierungen — das ist Code, nicht Konfiguration. Für Teams, die häufig neue Seitentypen oder Content-Strukturen brauchen und keinen Entwickler fragen wollen, ist das eine Einschränkung.
Ideal für
- Plattformen und Anwendungen mit komplexen Datenmodellen
- Projekte, bei denen die Content-Struktur spezifisch und stabil ist
- Teams mit Entwickler-Zugang, die maximale Kontrolle wollen
- Multi-Channel-Szenarien (Website + App + API)
Kosten
Sanity bietet einen großzügigen Free-Tier. Bezahlte Pläne starten ab 15 USD/User/Monat (Team-Plan). Enterprise-Pricing ist individuell. Die Kosten skalieren mit der Teamgröße, nicht pauschal.
Storyblok: Der visuelle Editor
Die Stärke
Storyblok hat den besten visuellen Editor im Headless-CMS-Markt. Redakteure sehen eine Live-Vorschau ihrer Seite und können Komponenten per Drag-and-Drop platzieren, verschieben und bearbeiten — mit Click-to-Edit direkt auf der Seite. Das kommt der Erfahrung eines klassischen Page-Builders am nächsten, ohne die Nachteile eines monolithischen CMS.
Für Nuxt-Projekte bietet Storyblok eine dedizierte Integration (@storyblok/nuxt), die mit Nuxt 4 kompatibel ist und die visuelle Editing-Erfahrung nahtlos einbindet.
Die Schwäche
Die Content-Modellierung ist weniger flexibel als bei Sanity. Storyblok arbeitet mit "Blöcken" (verschachtelbaren Komponenten), was gut für seitenbasierte Inhalte funktioniert, aber bei komplexen Datenbeziehungen an Grenzen stößt. Wenn Ihre Daten nicht in ein Seiten-mit-Blöcken-Modell passen, wird es umständlich.
Ideal für
- Marketing-Teams, die Seiten eigenständig bauen und anpassen wollen
- Projekte, bei denen das Redaktionserlebnis Priorität hat
- Corporate Websites und Landing Pages mit häufig wechselndem Content
- Nuxt-Projekte (beste Nuxt-Integration aller CMS)
Kosten
Free-Tier für kleine Projekte. Bezahlte Pläne ab ca. 99 EUR/Monat (Essentials). Enterprise-Pläne mit SLA und erweitertem Support auf Anfrage.
Strapi: Open Source und Self-Hosted
Die Stärke
Strapi ist Open Source und kann self-hosted betrieben werden. (Hinweis: Die Lizenz hat sich über die Versionen geändert — prüfen Sie die aktuelle Lizenz für Ihre Version. Enterprise-Features wie RBAC und SSO sind in der kostenpflichtigen Edition.) Das bedeutet: volle Kontrolle über Ihre Daten, kein Vendor-Lock-in, keine monatlichen SaaS-Kosten (abgesehen von Hosting). Für Teams, die ihre Infrastruktur selbst betreiben wollen oder müssen (z.B. aus Datenschutzgründen), ist das ein starkes Argument.
Strapi bietet seit kurzem auch KI-Features: Content-Typen können aus Textbeschreibungen, Screenshots oder Figma-Dateien generiert werden — das beschleunigt das Projekt-Setup erheblich.
Die Schwäche
Self-Hosted bedeutet Self-Managed. Updates, Sicherheitspatches, Skalierung, Backups — das liegt in Ihrer Verantwortung. Strapi bietet zwar Strapi Cloud als gehostete Alternative an, aber dann verlieren Sie den Kostenvorteil gegenüber anderen SaaS-Anbietern.
Außerdem: Strapi nutzt ein Open-Core-Modell. Features wie RBAC (rollenbasierte Zugriffskontrolle), SSO und Audit Logs sind nur in der kostenpflichtigen Enterprise Edition verfügbar.
Ideal für
- Teams mit DevOps-Kompetenz, die Self-Hosting bevorzugen
- Projekte mit strikten Datenschutz-Anforderungen (Daten auf eigenen Servern)
- Budget-sensitive Projekte (keine SaaS-Kosten)
- Entwickler, die maximale Kontrolle über Backend und API wollen
Kosten
Community Edition: Kostenlos (+ Hosting-Kosten). Strapi Cloud ab 29 USD/Monat. Enterprise: individuelles Pricing.
Der Vergleich in der Übersicht
| Kriterium | Sanity | Storyblok | Strapi |
|---|---|---|---|
| Content-Modellierung | Exzellent — Schema-in-Code | Gut — Block-basiert | Gut — Admin-UI |
| Visueller Editor | Basic (Portable Text) | Exzellent — Drag & Drop | Keiner |
| API | GROQ + GraphQL | REST + GraphQL | REST + GraphQL |
| Hosting | Cloud (managed) | Cloud (managed) | Self-hosted oder Cloud |
| Nuxt-Integration | Gut (@sanity-io/nuxt) | Exzellent (@storyblok/nuxt) | Gut (REST/GraphQL) |
| Datenkontrolle | Sanity Cloud | Storyblok Cloud | Volle Kontrolle |
| Free Tier | Großzügig | Begrenzt | Unbegrenzt (Self-hosted) |
| KI-Features | Sanity AI Assist | Storyblok AI | Strapi AI |
Weitere Optionen, die Sie kennen sollten
Payload CMS: Open Source, TypeScript-nativ, nahtlose Next.js-Integration. Für Next.js-Projekte eine starke Alternative zu Strapi.
Contentful: Der Enterprise-Platzhirsch mit 99,99% Uptime SLA. Teurer als die drei genannten, aber für große Unternehmen mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen relevant.
Nuxt Content: Kein klassisches CMS, sondern ein dateibasiertes Content-Modul für Nuxt. Ideal für Entwickler-Websites und Blogs, bei denen kein externes CMS nötig ist. Diese Website nutzt Nuxt Content.
Meine Empfehlung
Es gibt kein "bestes" Headless CMS. Es gibt das richtige CMS für Ihr Projekt.
Wählen Sie Sanity, wenn Ihr Projekt komplexe Datenstrukturen hat und Sie maximale Flexibilität brauchen. Akzeptieren Sie, dass jede Strukturänderung Entwickler-Involvement erfordert.
Wählen Sie Storyblok, wenn Ihr Marketing-Team Seiten eigenständig bauen und anpassen soll. Akzeptieren Sie, dass die Content-Modellierung weniger flexibel ist als bei Sanity.
Wählen Sie Strapi, wenn Sie Ihre Daten auf eigenen Servern behalten wollen oder kein SaaS-Budget haben. Akzeptieren Sie, dass Sie für Hosting und Wartung selbst verantwortlich sind.
Und wenn keines der drei passt: Schauen Sie sich Payload CMS, Contentful oder Nuxt Content an. Die Headless-CMS-Landschaft ist breit genug, dass es für jeden Anwendungsfall eine passende Lösung gibt.





















